Die Schulgeschichte von Bergholz-Rehbrücke lässt sich anhand der Kirchenchronik bis in das 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Augenmerk soll aber heute auf die unter Denkmalschutz stehende „Alte Schule“ in Bergholz-Rehbrücke gelegt werden.
1894 wurde der Schulneubau, der zwei Klassenräume und eine Lehrerwohnung enthielt, eingeweiht. Notwendig geworden war der teils ein- teils zweistöckige Neubau, weil die Einwohnerzahl durch die Erweiterung des Büdnerdorfes sehr stark zunahm. Von der Landhauskolonie war zu dieser Zeit noch nicht die Rede. Bereits 1885 war die Schülerzahl auf über 100 gestiegen, zehn Jahre später waren es bereits 133. Wahrend 1899/1900 noch 140 Kinder die Bergholzer Schule besuchten, so waren es 1906/07 nur noch 103. Da die Hausbesitzer der entstehenden Kolonie Rehbrücke oft ihren Hauptwohnsitz in Berlin hatten, dürften deren Kinder auch dort zur Schule gegangen sein. Sie hatten also auf die Bergholzer Schule noch keinen Einfluss.
In seiner 30jährigen Tätigkeit (1863-1894) musste der Lehrer Belß, dem wir auch die Führung der Schulchronik verdanken, zweimal für die Erweiterung der Räumlichkeiten aktiv werden. Während beim ersten Mal 1876 das 1818 errichte Schulhaus generalüberholt wurde, wurde 1894 neu gebaut. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch eine zweite Lehrerstelle geschaffen und mit Gustav Knaak besetzt.
Im Oktober 1893 lagen der Gemeindevertretung zwei Kostenvoranschläge für einen Schulneubau vor. Man entschied sich für den billigeren. Das sollte sich bald rächen, bereits 1903 – nach 9 Jahren – schrieb Lehrer Krüger in die Schulchronik: „… In diesem Sommer fand eine Besichtigung des Ortes und der Schule durch den königl. Kreisarzt statt. Er rügte folgendes: Die Schulbänke wackeln, sie sind nicht der Größe der Kinder angepasst, sie haben eine zu große Plus-Distanz. Die Türen und Fenster im ganzen Haus schließen nicht dicht. Das Wasser des Schulbrunnens ist nicht einwandfrei. Hierzu möchte ich bemerken, dass die Gemeinde beim Schulbau den Fehler begangen hat, dem billigsten Unternehmer den Bau zu übertragen. …“ Im Schuljahr 1899/1900 war die Schülerzahl auf 140 angewachsen. Es wurde wieder eng in der Schule, und so war eine Erweiterung oder ein Neubau bereits am Anfang des neuen Jahrhunderts vorprogrammiert.
Entwicklung nach 1900 1904 wurde dann ein neuer Brunnen gebaut. Seine Tiefe beträgt 97 (?) Meter. In beiden Klassenzimmern wurden Türen und Fenster gestrichen und im vorderen Zimmer der Lehrerwohnung wird ein neuer Ofen gesetzt. Auf Anordnung der Königlichen Kreisschulinspektion wurde die Lehrerwohnung überholt. Das vordere Zimmer wurde völlig neu renoviert. Das Zimmer neben der Küche wurde gestrichen und tapeziert. Das zum Hof weisende Fenster wurde zugemauert und ein neues zur Straße herausgebrochen. Die ausgetretenen Treppen und der Flur wurden neu gepflastert. In einer Ecke des Hofes wurde eine Müllgrube gebaut. Im März 1908 wird auf dem Schulhof ein Reck errichtet und im April wird der Bretterzaun, der den Friedhof einfriedete, durch einen Drahtzaun ersetzt. Auf Wunsch des Lehrers wird eine Tür eingebaut. Im Dezember 1908 werden in beiden Klassen eiserne Öfen aufgestellt. Von der Regierung geforderte Doppelfenster wurden aus Kostengründen von der Gemeinde abgelehnt. Während des 1. Weltkrieges wurde der Lehrer Schwenk gleich zu Beginn des Krieges 1914 eingezogen und fiel am 12. April 1915 in Flandern. Sein Nachfolger wurde mit Wirkung vom 1. Oktober 1915 der Lehrer Otto Arns, der diese Stelle bis zur Schulreform 1945 innehatte. Auch der zweite Lehrer Max Reinke wurde zum Kriegsdienst eingezogen. Aus Lehrermangel wurde die dreiklassige Schule in eine Halbtagsschule umgewandelt. Die Zahl der Schüler war inzwischen (1916) auf 146 angewachsen. Dazu kamen 1917 noch 20 Pflegekinder aus Breslau. Trotz der zusätzlichen Belastung durch den Ausfall des 2. Lehrers richtete Otto Arns 1916 in Bergholz eine Fortbildungschule für Knaben ein. Als Max Reinke im Januar 1919 aus dem Krieg zurückkam, wurde die dreiklassige Schule wieder eingerichtet. Reinke ging aber schon im Oktober 1919 nach Adlershof. Sein Nachfolger wurde Adolf Lejeune, der ebenfalls bis 1945 im Amt blieb. Wegen der wieder steigenden Schülerzahl wurde am 1. Oktober 1921 die dreiklassige in eine vierklassige Schule umgewandelt. Als dritte Lehrkraft kam Elsbeth Lemke aus Dahme dazu, die auch Handarbeitsunterricht erteilte. 1924 werden für den Klassenraum der unteren Jahrgänge neue Systembänke angeschafft. 1928 gibt es erste Bemühungen um den Erwerb eines Grundstückes für einen Schulneubau. 1929 wurden im unteren Klassenraum und auf dem Flur Dauerbrandöfen aufgestellt. Die Grundsteinlegung eines neuen Schulhauses am 15.7.1930 auf dem Pfarrgelände neben dem Kriegerdenkmal wird durch den Bankenkrach (Weltwirtschaftskrise) verhindert. Damit war die Hoffnung auf eine baldige Lösung des mit der steigenden Schülerzahl eingetretenen Raumnotstandes verflogen. Schon 1929 musste das im Gemeindehaus (Hauptstraße 12; jetzt: Schlüterstraße) eingerichtete 3. Klassenzimmer vergrößert werden. 1930 wird die vierklassige in eine fünfklassige Schule umgewandelt und eine vierte Lehrkraft eingestellt. Für die Sommermonate musste der Saal des Dorfkrugs als zusätzlicher Unterrichtsraum angemietet werden. In der zweiten Hälfte des Jahres 1930 wurde als Folge des ausgesetzten Neubaus im Gemeindehaus ein zweites Klassenzimmer hergerichtet, das ab Dezember 1930 genutzt werden konnte. 1932 betrug die Schülerzahl bereits 182. Es wurde nun eine sechsklassige Schule geschaffen, allerdings mit nur vier Lehrkräften.
Am 15. März 1940 erhält die Schule den Namen „21.
Gemeindeschule Potsdam“.
1945 wird die Lehrerwohnung aufgelöst. Mit der Schulreform wurde der alte Lehrkörper vollständig abgelöst. 1946/47 erfolgt der Umbau des alten Schulgebäudes und die Schaffung eines dritten Klassenzimmers durch Ausbau des Bodens und eines Kartenraumes. Ein geplantes Lehrerzimmer musste zurückgestellt werden. Später wurde dafür der Kartenraum verwendet.
Mit der Übergabe des Neubaus der Polytechnischen Oberschule „Otto Nagel“ am 1.9.1969 erfolgte der Umbau als Wohnhaus. Am 28.2.1986 wurde der Komplex Kirche, alte Dorfschule und Dorfkrug unter Denkmalschutz gestellt. Eigentümerin der Immobilie ist nach Abwehr von Ansprüchen der Stadt Potsdam nunmehr die Gemeinde Bergholz-Rehbrücke. Seit 1998 ist der Verein „Die Brücke e. V.“ Nutzer von Räumlichkeiten im Erdgeschoss. Er bietet Kindern und Jugendlichen verschiedene Freizeitmöglichkeiten, so z. B. einen Kunstkurs, dessen Werke auch einmal jährlich ausgestellt werden. Im Oktober 2006 hat sich ein Förderverein gegründet, der die alte Schule in Bergholz zu einem „Begegnungshaus der Generationen Nuthetals“ entwickeln will. Vereinsvorsitzende ist Frau Dr. Elvira Schmidt.
Annett Böhm, Ortschronistin |